So wahnsinnig viele gute Interviews gibt es ja leider nicht - wurde ja leider alles immer
ein wenig anders in der Presse wiedergegeben. Diese drei (großen) habe ich ausgesucht
und zusammengestellt (bitte anklicken, um direkt hinzukommen) - sind die besten.
Lee Strasberg · 1978
Georges Belmont · 1960
Richard Meryman · 1962
“ Sie hatte eine glänzende Eigenschaft - ein Gemisch aus Schwermut, Glut und Verlangen -, die sie in eine Art Abseits stellte. Und jeder Mann wünschte, ein Teil davon zu sein, diese kindliche Naivität zu teilen, die abwechselnd scheu und pulsierend war. ” - Lee Strasberg
(Frage) 1955 kam Marilyn Monroe zu Ihnen, um Schauspielunterricht zu nehmen. Wie fing das an, wie konnten Sie mit ihr arbeiten?
(L.S) Ach, sie fing einfach an, zu lernen, sich zu erforschen, ihre Möglichkeiten zu suchen. Und sie hatte das Gefühl, sich so am besten helfen zu können. Es war wie bei James Dean. Beide waren schon Stars, das wird man über Nacht. Aber sie standen erst am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn.
(Frage) Wird denn in New York anders gearbeitet als in Hollywood?
(L.S) Nein, der Unterschied liegt in den Anforderungen von Theater und Kino. Auf der Bühne ist der Schauspieler König. Er muß da sein, er muß tragen, er muß es durchstehen. Man kann nicht unterbrechen oder einfach schneiden. Der einzelne muß seine Fähigkeiten besser einsetzen können als beim Film, und er muß sie kontrollieren.
(Frage) Was hat sie gereizt an der Aufgabe, Marilyn zu unterrichten?
(L.S) Nun, sie kam an und wollte hier arbeiten. Also fingen wir an. Ich hatte kaum einen Film von ihr gesehen und war einfach neugierig. In der ersten Stunde, die begann genau hier, wo wir jetzt sitzen, erlebte ich sofort ihre besonders starke Empfindsamkeit. Sie konnten nicht damit umgehen, dass hatte sie einfach nicht gelernt. Das zu vermitteln, reizte mich sehr, und im Gegenzug begann Marilyn aufzutauen. Sie mochte meine Familie und war zu meiner Tochter Susan wie eine Schwester. Als Susan zum ersten Mal auf der Bühne stehen und Anne Frank spielen sollte, bat Marilyn uns, dabei sein zu dürfen. Wir fragten den Regisseur, und der war dagegen, weil er befürchtete, sie könnte zu spät kommen und einen Aufruhr verursachen. Das Publikum würde nur auf sie achten und nicht auf das Stück.
Wir wollten aber auch, dass Marilyn mitkam. Als Freundin, nicht als Star. Also sprachen wir ganz ernst und offen mit ihr über die Sorgen des Regisseurs, und Marilyn versprach, pünktlich zu sein. Ich kam an jenem Abend besonders früh ins Theater, schließlich ging es um meine Tochter. Also war ich vielleicht eine Stunde vor Beginn da, und das Theater war noch ganz leer. Es war niemand da - außer Marilyn Monroe. Bis zur Pause hat niemand sie bemerkt, und auch dann gab es keine Störung.
(Frage) Warum gefiel es denn Marilyn hier so gut?
(L.S) Sie hatte nie ein Zuhause. Sie wußte nicht, woher sie kam und wohin sie gehörte. Ihr Leben lang wollte sie Teil eines Ganzen sein, ein Teil von etwas, das sie künstlerisch erfüllte und ihr menschlich den Eindruck erlaubte, zu einer Familie zu gehören. Beides fand sie hier bei uns. In Hollywood war sie nur soviel wert, wie ihr Ruf in den Studios. Hier in New York kümmert sich keiner um berufliche Standards, weil es viel zu viele Leute gibt. Hier kommt es mehr darauf an, wer man wirklich ist, als darauf, was die Leute reden. Für viele ist das ein Bedürfnis, sie wollen nicht wie Waren behandelt werden.
In Hollywood wurde Marilyn so behandelt, egal wie berühmt sie war. Hier traf sie andere Leute, die beeindruckt waren von ihrer Empfindsamkeit. Sie konnte wirklich sie selbst sein und Sätze sagen, die von ihr stammten und nicht aus Büchern. Fragt man sie nach Rembrandt oder Michelangelo, dann sprechen sie nach, was sie gelesen haben. Marilyn machte das nicht, obwohl sie gerne las. Alles kam bei ihr aus echter persönlicher Erfahrung. Entweder hatte sie eine gemacht oder nicht. Aber sie tat nicht so als ob.
(Frage) Nach Ihren Worten hatte Marilyn Monroe ein besonderes Potential, das sie nur mit wenigen, z.B Marlon Brando, teilte. Können Sie das etwas ausführlicher beschreiben?
(L.S) Es war ihre ganz besondere Empfindsamkeit, die sie noch nicht bei der Arbeit einsetzen konnte. Sie war unzufrieden mit ihrem Dasein als Star, sie wollte als Schauspielerin einfach mehr bieten. Als sie zu uns kam, lachten die Leute in Hollywood sie aus und es hieß, unsere Arbeit werde Marilyn Monroe zerstören. Auch über uns wurde gelacht, weil wir Marilyn mehr zutrauten.
(Frage) Woher nahmen Sie denn diese Zuversicht?
(L.S) Wir gehen nicht danach, was einer bisher gemacht hat. Angenommen, Sie haben ein schönes Klavier, und jemand kommt und spielt darauf. Klingt es schlecht, sagen Sie "Oje!". Aber das liegt nicht am Klavier. Selbst wenn es verstimmt ist und ein bißchen ungepflegt, bleibt es es ein tolles Klavier. So ähnlich ist es mit einem Schauspieler, der zu uns kommt. Wir taxieren sein Talent. Wir gehen nicht danach, was er gemacht hat, sondern nur danach, was er womöglich machen könnte. Das meinte ich mit der besonderen Empfindsamkeit, die Marilyn hatte und die nur ganz wenige haben. Sie hatte so viel davon, daß sie mit vielen Leuten Schwierigkeiten deswegen bekam.
(Frage) Sie sagten aber, daß gerade in diesem Punkt Ihr Unterricht hier eine große Hilfe war. Der Schlüssel scheint mir die innere Verbindung zwischen dem Schauspieler und seiner Rolle. Wie vermitteln Sie das?
(L.S) Zuerst machen wir dem Schauspieler seine Realität bewußt, damit er sie als Ersatz für die Realität der Figur nehmen kann. Das heißt nicht etwa, dass er dasselbe erlebt haben muß, also wenn die Figur tötet, muß er schon mal getötet haben, oder wenn die Figur stirbt, muß er schon mal gestorben sein. Das ist natürlich Unsinn. Es bedeutet nur, daß er von einem anderen Erlebnis dieselbe Erfahrung abzieht, z.B. daß er jemanden loswerden wollte oder besonders zornig auf jemanden war. Als nächstes lernt der Schauspieler, diese Technik zu gebrauchen, um damit auf der Bühe die Handlung und Einstellung der Figur zu begründen. Bestimmte grundlegende Erfahrungen hat einfach jeder gemacht. Ein Kind von vier oder fünf Jahren hat Erfahrungen mit dem Tod. Nicht wie ein Erwachsener, der vielleicht weiß, was das ist. Aber oft viel tiefer und heftiger, z.B. beim Tod eines geliebten Tieres.
Wenn wir anfangen, mit dem Schauspieler zu arbeiten, gehört so etwas oft zu seinen stärksten Erinnerungen. Er hat sie vergessen, sie sind ihm nicht mehr bewußt, aber wenn wir sie hochholen und ihm bewußt machen, wird er sie auch erneuern können. Diese Erfahrungen haben alle in sich. Der Unterschied liegt in unseren Fähigkeiten, sie auch auszudrücken. Das macht den Maler, Dicher oder Musiker aus: Daß er seine Erfahrungen in bestimmten Formen ausdrücken kann, und das können eben nur sehr wenige. Jeder von uns hat schon einmal gehört, was Beethoven in der Symphonie "Pastorale" hörte, also Sturm und schäumendes Wasser oder ähnliche Töne, aber wir machen keine Musik daraus oder beschreiben es nicht, wie Dostojewski in Der Idiot so wunderbar diesen Fluß und das Rauschen des Wassers beschrieben hat.
(Frage) Hatte Marilyn Monroe diese Fähigkeit?
(L.S) Das Entscheidene bei Marilyn Monroe war, daß sie aus dem Nichts kam. Trotz ihrer Schönheit, derentwegen sie ja letztlich auserwählt wurde, hatte sie eigenltich niemanden, als sie jung war. Sie drückte sich merkwürdig aus in ihrer Empfindsamkeit, und die Leute verstanden sie nur, wenn sie versuchte, deren Sprache zu sprechen. Dabei hatte sie diese Fähigkeit, Dinge zu erleben und auch auszudrücken, was sie erlebte, was sie fühlte - aber nicht, was man von ihr erwartete. Das machte ihr große Schwierigkeiten, aber das macht auch dieses Mystische aus, was von der Leinwand herunterkommt. Diese Ausstrahlung war nie künstlich oder durch Lichteffekte erzeugt. In Natur hatte sie die auch, sogar noch stärker. Bei den Proben auf der Bühne hatten wir ja keine Scheinwerfer an oder besondere Lichteffekte, und doch schien sie das Licht mit sich herumzutragen. Das lag, glaube ich, daran, daß bei ihr alles zusammenkam in einer Person.
Wenn z.B. ein Plattenspieler gut eingestellt und die Nadel sauber ist, hört man wunderbare Musik. Dieselbe Platte auf einem ruinierten Apparat klingt grauenhaft. Wenn in einem Menschen alles zusammenkommt und funktioniert, gibt es diese Ausstrahlung. Die ist elektrisierend. Nur wenige haben das. John Kennedy hatte es auch in gewissem Umfang. Es war nicht einfach das, was er tat. Aber wenn er so dastand, wollte man bei ihm sein, zu ihm gehören und an ihn glauben. Selbst wenn man ihm nicht alles glaubte.
(Frage) Überwogen nach Ihrer Ansicht in Marilyn Monroe die starken, durchsetzungfähigen Anteile oder die schwachen?
(L.S) Marilyn hatte keine Macht über andere. Sie hatte eine Bestimmung, und die fühlte sie auch. Aber in ihrem Leben gab es lange Zeit nichts, was sie sicher machen konnte, was ihr Vertrauen in diese Bstimmung gab. Das fing bei ihr erst hier in der New Yorker Zeit an. Sie wurde sicherer in ihrem Gefühl und ihrer Meinung, sie erkannte ihr Recht auf eigene Gefühle und eigene Meinung, und sie glaubte nicht mehr, daß alles nur Quatsch sei, was von ihr kam. Wenn sie hätte lernen können, mit sich selbst umzugehen, sich auszudrücken, dann hätten andere an ihren Möglichkeiten teilhaben können, die nicht so empfindsam waren wie sie. Viele Künstler haben dieses Problem, aber die meisten arbeiten allein. Der Dichter schreibt bei sich zuhause, keiner interessiert sich zunächst. Was zählt, ist das Manuskript. Der Komponist genauso, er kann verrückt sein, das sieht ja keiner. Was zählt, ist die Musik. Bei Schauspielern ist das anders.
Man arbeitet zusammen, und man sieht die Arbeit, nicht das Ergebnis. Das sieht man erst viel später. Erst sieht man die Probleme, den Ärger, die Verspätungen und die Launen. Marilyn rennt von der Bühne, und keiner weiß, warum. Man kann nicht nachvollziehen, was in ihr geschieht, und dann heißt es einfach, sie sei launisch. Marilyn war empfindsam, und sie hatte nicht den Hintergrund oder die Vorgeschichte, nach der sie damit umgehen konnte. Deshalb war sie besonders anfällig für den Druck, unter dem die Dreharbeiten immer standen, anfälliger als jemand, der in besserer Umgebung und mit mehr Anleitung aufgewachsen war.
(Frage) War Marilyn Monroe nur ein Spielball Hollywoods, oder wollte sie nicht selbst gern der Star werden, der sie dann war?
(L.S) Natürlich. In jedem, der zum Film geht, steckt die Hoffnung und die Sehnsucht, ein Star zu werden.
Marilyn tat mit fünf Jahren so, als sei sie Mary Pickford. Aber dann hat ihr der Ruhm doch nicht gebracht, was
sie sich davon versprochen hatte. Das Publikum blickte zu ihr auf, aber sie hatte nicht das Gefühl, daß es
ihr Verdienst war, daß sie genug dafür getan hatte. Sie wollte mehr dafür tun, aber lange wußte sie
nicht, was.
(Frage) Konnte sie das beim Film überhaupt erreichen?
(L.S) Die Arbeit beim Film ermutigte sie nicht zum Einsatz ihrer Empfindsamkeit. Beim Film wird nicht genug darauf geachtet, wie gut jemand ist. Solange es einigermaßen geht, sagt man o.k. das Schlechte schneiden wir sowieso weg. Marilyns Möglichkeiten ließen sich nur in einer Ausbildung fürs Theater freilegen.
(Frage) Nachdem sie bei ihnen war, ließ sich Marilyn Monroe zu Dreharbeiten von Ihrer Frau, Paula Strasberg, begleiten. Warum?
(L.S) Natürlich wollte Marilyn gerne in ihrem nächsten Film zeigen, was sie hier genau gelernt hatte, und sie traute sich das alleine nicht ganz zu. Deswegen bat sie meine Frau um Unterstützung. Der Druck am Drehort erschütterte sie immer so schnell, daß sie alle guten Vorsätze vergaß und das konnte sie besser zusammen mit meiner Frau bewältigen als alleine. Z.B. bei dem Film Der Prinz und die Tänzerin mit Laurence Olivier. Da solte sie spielen wie Oliviers Frau, Vivien Leigh, die auf der Bühne diese Rolle hatte. Marilyn war ganz ratlos, und so ging meine Frau nach vorne und sagte: "Das geht nicht, das kann sie nicht!" Laurence Olivier dachte von da an, Marilyn sei die falsche Besetzung, und war sehr überrascht, als er ihre Leistung und ihre Wirkung im Film sah. Sie hatte nicht Vivien Leigh nachgemacht, sondern ihre eigene Interpretation geliefert. Und sie bekam den Beifall, nicht er.
(Frage) War der Tod von Marilyn Monroe für Sie eine Überraschung?
(L.S) Nein, wohl ein Schock. Bei einem so empfindsamen Menschen ist nichts überraschend, denn er folgt nicht irgendeiner Linie, irgendeinem geraden Weg. Sie war durch viele Krisen gegangen, aber dann fing sie gerade an, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Aber da war es zu spät.
(Frage) Was kann Marilyn Monroe jugenlichen Zuschauern und Lesern heute bedeuten?
(L.S) Das Beste an Marilyn Monroe ist ihr Triumph über Widrigkeiten. Die meisten denken doch, man müßte aus einer guten Familie kommen, man muß protegiert werden und es hinten und vorne reingesteckt kriegen, um ein Star zu werden. Marilyn hatte nichts davon, keiner half ihr am Anfang. Sie sah nicht mal aus wie Marilyn Monroe.
(Frage) Wen könnte man heute mit ihr vergleichen?
(L.S) Niemanden. Heute nicht und damals auch nicht.
(Frage) Warum nicht? Was hatte sie denn anderen voraus?
(L.S) Ich weiß nicht. Was hatte sie was andere nicht hatten? Was unterscheidet einen Apfel von einer Apfelsine? Die Tatsache, daß es ein Apfel ist. Das schmeckt man. Ich bin gegen diese Versuche, alles zu erklären. Ein großer englischer Dichter, Samuel Johnson, sagte dazu: "Jeder weiß, was Licht ist. Aber versuch mal zu erklären oder zu beschreiben, was es ist. Unmöglich". Marilyn hatte dieses Licht. Ich nenne es so, für Sie mag es wieder etwas anderes sein.
(Frage) Und warum meinen Sie, Marilyn hatte das?
(L.S) Ich meine das gar nicht. Das Publikum meint es. Fragen Sie doch das Publikum!
(M.M): Ich würde lieber auf Fragen antworten. Ich kann nicht erzählen, das ist furchtbar... wo anfangen? Wie? Da sind so viele Verzweigungen...
(G.B) Trotzdem hat es irgendwo angefangen: Ihre Kindheit.
(M.M): Sogar das, niemand wüßte etwas darüber, ohne einen puren Zufall. Lange Zeit
sind meine Vergangenheit und mein Leben vollkommen unbekannt geblieben. Nie habe ich darüber
gesprochen. Ohne bestimmten Grund. Ich war einfach der Ansicht, dies sei meine Sache und nicht die
von anderen. Dann wollte mich ein Herr Lester Cowan eines Tages in einen Film mit Groucho Marx
stecken, Love Happy. Zu der Zeit war ich schon unter Vertrag bei der Fox und der Columbia,
allerdings wollten sie mich entlassen... Er bot mir eine kleine Rolle an, dieser Herr Cowan. aber
es war ihm sehr daran gelegen, mich unter Vertrag zu nehmen. Er rief also an. Ich war noch sehr
jung, und er sagte, er wolle meinen Vater und meine Mutter sprechen. Ich sagte ihm: "Unmöglich" -
Warum, fragte er. Ich habe ihm also kurz die Sachlage erklärt. "Ich habe nie bei ihnen gelebt."
Das war die Wahrheit, und ich sehe immer noch nicht, was daran so außergewöhnlich ist. Aber
er hat daraufhin seine Kolumnenschreiberin Louella Parsons angerufen und ihr die ganze Geschichte
erzählt. Das ganze erschien dann in der Kolumne von Louella. So hat das alles angefangen. Seitdem
ist so viel Unwahres gesagt worden, mein Gott, ja warum soll ich jetzt nicht einmal die Wahrheit
sagen?
(G.B) Welches sind Ihre frühesten Kindheitserinnerungen, die Sie behalten haben?
(G.B) Ihre Mutter... Ich habe irgendwo gelesen, dass sie für Sie nur "die Frau mit den roten Haaren" war?
(M.M) Ich habe nie bei meiner Mutter gelebt. Es wurde das Gegenteil behauptet, aber nur das ist die Wahrheit. So weit ich mich zurückerinnern kann, habe ich immer bei anderen Leuten gelebt. Meine Mutter war psychisch krank. Sie ist mittlerweile gestorben. Meine Großeltern mütterlicherseits sind beide im Wahnsinn gestorben, eingesperrt. Meine Mutter musste auch in ein Heim. Manchmal kam sie raus, und dann wurde sie wieder zurückgebracht. Also, wissen Sie, wie das ist: als ich noch ganz klein war, habe ich auf die erstbeste Frau, die vorbeikam, gezeigt und gesagt: "Oh, eine Mama?" und bei jedem Mann: "Oh, ein Papa!" Aber eines Morgens - ich dürfte drei gewesen sein, sicher nicht mehr, wurde ich gebadet, und ich sagte "Mama" zu der Frau, die sich damals um mich kümmerte. Sie antwortete: "Ich bin nicht deine Mama; nenn mich Tante. Aber ist er mein Papa?" habe ich gefragt und auf ihren Mann gezeigt. Nein, sagte sie mir. Wir sind nicht deine Eltern. Die Frau, die ab und zu kommt, die Frau mit den roten Haaren, das ist deine Mutter.Es war ein Schock, das zu hören, aber da sie nur selten gekommen ist, stimmt es, dass sie für mich vor allem "die Frau mit den roten Haaren" geblieben ist. Immerhin wußte ich, dass es sie gab. Nur, als ich später ins Waisenhaus kam, erfuhr ich einen weiteren Schock. Ich konnte damals schon lesen. Und als ich dieses Wort "Waisenhaus" in goldenen Buchstaben auf schwarzem Grund las, mußte man mich hineinziehen, ich schie "Ich bin keine Waise! Ich habe eine Mama! Mit der Zeit dachte ich dann: "Ich muss denken, sie ist tot..." Und noch später sagten mir die Leute: "Deine Mutter, die vergiß,t du besser. "Aber wo ist sie?" fragte ich - "Denk nicht mehr daran, sie ist tot." Kurz darauf hörte ich plötzlich von ihr. Und so ging es jahrelang. Ich glaubte, sie sei tot und sagte das auch. Aber sie lebte. So dass mir später unterstellt wurde, ich hätte erfunden, sie wäre tot, bloß weil ich nicht zugeben wollte, wo sie war. Zu blöd! Jedenfalls habe ich - warten Sie, ich zähle zusammen - zehn, nein elf Familien gehabt. Die erste lebte in einer kleinen Stadt bei Los Angeles; ich bin in Los Angeles geboren. Diese Leute hatten nach mir noch einen kleinen Jungen adoptiert. Ich blieb bei ihnen, bis ich ungefähr sieben war. Sie waren fürchterlich streng. Ohne Bosheit. Es war ihre Religion. Sie erzogen mich mit unerbitterlicher Härte und haben mich oft in einer Art und Weise zurechtgewiesen, wie man es meiner Meinung nach niemals tun sollte: mit Ledergürtelschlägen. Schließlich kam das raus, und ich wurde an ein englisches Paar in Hollywood gegeben. Es waren Schauspieler, oder eher Komparsen, mit einer Tochter von zwanzig Jahren, die ein Double von Madeleine Carrol war. Bei ihnen war das Leben sorgenfrei und es war immer ziemlich viel los. Das war eine große Umstellung nach der ersten Familie, wo man nicht einmal von Kino und Schauspielern reden, weder tanzen noch singen durfte, außer vielleicht Psalmen. Meine neuen "Eltern" arbeiteten hart, wenn sie arbeiteten und genossen ansonsten das Leben. Sie tanzten gern, sangen, tranken, spielten Karten und hatten viele Freunde. Ich mit meiner streng religiösen Erziehung war natürlich schockiert: Ich sah sie alle in der Hölle! Ich habe Stunden damit zugebracht, für sie zu beten.
Ich erinnere mich an eine Sache... einige Monate später, glaubte ich, kaufte meine Mutter ein kleines Haus, wo wir alle leben sollten. Nicht für lang, drei Monate nur. Dann mußte meiner Mutter wieder... weggebracht werden. Und auch in diesen drei Monaten habe ich sie kaum zu Gesicht bekommen. Kurz, das war eine große Veränderung. Nach ihrem Weggang sind wir wieder zurück nach Hollywood. Die Engländer behielten mich, solange es Geld gab... das Geld meiner Mutter, aus Ersparnissen und einer Versicherung, die sie abgeschlossen hatte. Daurch sie habe ich meine erste Bekanntschaft mit dem Kino gemacht. Ich war noch nicht einmal acht. Sie setzten mich früh morgens immer vor einem der großen Filmpaläste Hollywoods ab, dem Egyptian oder Grauman's Chinese. Ich schaute mir dann, ganz alleine, die Affen in den Käfigen vor dem Egyptian an, und vor dem Grauman's versuchte ich, meine Füße in die Fußabdrücke der Stars zu setzen, was mir aber nie gelang, weil meine Schuhe zu groß waren... Jetzt sind da auch meine Abdrücke, und die Vorstellung, dass andere Mädchen vielleicht das gleiche machen wie ich damals, ist schon sehr komisch. Sie fuhren mich jeden Samstag und Sonntag hin. Für sie war das so etwas wie Erholung, nehme ich an. Sie arbeiteten schwer und wollten sich nicht mit einem Kind zuhause belasten. Für mich war das wahrscheinlich auch besser. Ich wartete darauf, dass die Kinos aufmachten. bezahlte meine 10 Cents und setzte mich in die erste Reihe. Ich habe damals alle möglichen Filme gesehen. Ich erinnere mich an Cleopatra mit Claudette Colbert. Ich blieb meistens einfach sitzen, Vorstellung um Vorstellung. Eigentlich musste ich zu Hause sein, bevor es dunkel wurde. Aber wie sollte ich wissen, wann es dunkel wurde? Sie waren gut zu mir, ich konnte zwar nichts zu essen kaufen, wenn ich Hunger hatte, aber ich wußte, dass sie mir zu Hause etwas aufheben würden. Also blieb ich. Ich hatte meine Lieblingsstars. Jean Harlow!... Meine Haare waren plantinblond, sie nannten mich "Flachskopf." Ich haßte das und träumte von gold-blonden Haaren... bis ich sie gesehen habe: so schön, und platinblond wie ich! Und Clark Gable! Ich hoffe, er ist mir nicht böse, wenn ich sage, dass ich in ihm meinen Vater gesehen habe - ich war noch ein kleines Mädchen, und nach Freud ist da nichts Schlimmes dabei, im Gegenteil! Ich träumte, dass mein Vater ihm ähnlich sehe, oder sogar, dass er mein Vater sei... dabei fällt mir ein, dass es eigenartig ist, dass ich nie geträumt habe, jemand sei meine Mutter... Wo war ich stehengeblieben?
(G.B) Das englische Ehepaar. Als es kein Geld mehr gab.
(M.M) Ja. Man steckte mich ins Waisenhaus. Nein - warten Sie... Als diese Engländer mich nicht mehr behalten konnten, bin ich zu anderen Leuten in Hollywood gekommen. Leute aus New Orleans. Ich erinnere mich an sie, weil sie immer "New Orliens" gesagt haben. Da bin ich aber nicht lange geblieben. Drei oder vier Monate. Ich erinnere mich nur, dass der Mann Filmvorführer war und mich eines Tages mir nichts dir nichts ins Waisenhaus brachte. Ich weiß, dass manche behaupten, dass es kein schlimmer Ort gewesen sei. Aber ich weiß auch, dass sich das Haus inzwischen verändert hat; vielleicht ist es jetzt weniger düster... Obwohl natürlich auch das modernste Waisenhaus ein Waisenhaus bleibt, wenn Sie wissen, was ich meine. Nachts, wenn die anderen schliefen, setzt ich mich ans Fenster des Schlafraumes und weinte, weil ich in der Ferne, hoch über den Dächern, die Leuchtbuchstaben des R.K.O.-Studios sah, wo meine Mutter als Cutterin gearbeitet hatte. Jahre später, 1951, als ich Clash by Night für R.K.O. drehte, bin ich dort hinaufgestiegen, um das Waisenhaus zu sehen, aber es waren zu viele Hochhäuser dazwischen. Ich habe gelesen, ich weiß nicht mehr wo, dass wir nicht mehr als drei oder vier pro Zimmer in diesem Waisenhaus waren. Das stimmt nicht. Ich war in einem Schlafraum mit 27 Betten, wo man von Bett 1 bis zum "Ehrenbett", der Nr. 27, aufsteigen konnte, wenn man es sich verdient hatte. Und wenn man sehr brav war, konnte man hoffen, von Bett 27 in einen anderen Raum mit weniger Betten zu kommen. Mir ist das einmal gelungen. Aber eines Morgens, kam ich zu spät, glaube ich, ich band gerade meine Schuhe zu, als die Aufseherin zu mir sagte: "Komm runter!" Ich wollte ihr erklären: "Aber ich muß noch meine Schuhe zubinden!" Woraufhin sie mich anherrschte: "Zurück zu Bett 27!." Um 6 Uhr war Wecken, und wir mußten Hausarbeiten verrichten, bevor wir zur Schule gingen. Wir hatten jede ein Bett, einen Stuhl und einen Schrank. Und alles mußte ganz sauber sein, glänzend, wegen der Inspektionen der Aufsicht. Eine Zeitlang habe ich den Schlafraum geputzt. Jeden Tag die Betten wegschieben, kehren, abstauben. Die Badezimmer waren einfacher: weniger Staub wegen des Zementbodens. Ich habe auch in der Küche gearbeitet. Das Geschirr gewaschen. Wir waren hundert: ich habe also hundert Teller gewaschen, ebenso viele Löffel und Gabeln... keine Messer und auch keine Gläser, wir tranken aus Bechern. Nur in der Küche verdiente man Geld: 5 Cents pro Monat. Davon wurde einer für die Sonntagsschule einbehalten, so dass man am Ende des Monats einen Cent hatte - wenn der Monat nur vier Sonntage hatte. Das sparte man, um davon ein Geschenk für seine beste Freundin zu kaufen, zu Weihnachten. Ich kann nicht sagen, dass ich sehr glücklich war. Ich verstand mich nicht mit den Aufseherinnen. Aber die Direktorin war sehr nett. Ich erinnere mich, eines Tages rief sie mich in ihr Büro und sagte: "Du hast eine sehr schöne Haut, aber sie glänzt ein bißchen. Wir werden einen Hauch Puder darauf tun, um mal zu sehen." Ich fühlte mich geehrt. Sie hatte einen kleinen Pekinesen, der nicht mit den Kindern gehen sollte, weil er sie gebissen hätte.Aber zu mir war er ganz zutraulich. Wie ich schon damals die Hunde geliebt habe, stellen Sie sich das vor!... Ich fühlte mich wirklich geehrt, wie ich da herumging! Etwas später wollte ich mit ein paar anderen Mädchen ausreißen. Aber wohin? Wir hatten nicht die geringste Idee. Wir kamen nicht mal über den großen Rasen, als wir schon wieder eingeholt wurden. Als man mich zurückbrachte, bettelte ich: "Sagen Sie es nicht der Direktorin!" - weil ich noch vor mir sah, wie sie mich anlächelte, mit der Puderquaste über meine Nase fuhr, und weil sie mich ihren kleinen Hund hatte streicheln lassen. Es war im Waisenhaus, wo ich anfing zu stottern. An dem Tag, an dem ich hingebracht wurde, als mich, schreiend und weinend, hineinzogen, fand ich mich plötzlich in einem großen Speisesaal wieder, in dem hundert Kinder aßen und mich anstarrten. Das ließ mich sofort verstummen. Das kam vielleicht noch als Grund zu allem Übrigen dazu: meine Mutter und der Gedanke, eine Waise zu sein. Jedenfalls stotterte ich. Dann ging es wieder weg, kam aber in der Pubertät auf dem Gymnasium wieder. Ich wurde zur Sprecherin der Englischklasse gewählt, und jedes Mal, wenn ich die Zusammenfassung der letzten Stunde vorlesen sollte, sto-sto-tterte ich... Schrecklich! Das ging zwei Jahre lang so, glaube ich, bis ich fünfzehn war. Manchmal passiert es mir sogar heute noch, wenn ich zu nervös oder aufgeregt bin. Einmal, als ich eine kleine Rolle spielte mit einer Szene, wo ich eine Treppe hinaufsteigen sollte, hatte ich vergessen, wie es weitergehen sollte, und der Regieassistent stürzte auf mich zu und schrie irgendwas, und ich war so durcheinander, dass ich bei der Aufnahme meinen Text nicht mehr sagen konnte. Nur noch ein fürchterliches Gestotter! Woraufhin der Regisseur selbst wütend anrauschte und seinerseits losbrüllte: "Wenigstens stottern Sie nicht! M-m-meinen Sie?" erwiderte ich. Es war schrecklich! Und ist es immer noch, wenn ich zu schnell spreche oder eine Rede halten muß. Schlimm!...(Schweigen) Ich blieb ungefähr anderthalb Jahre im Waisenhaus. Wir gingen zur Schule. Es ist schlimm für Kinder aus einer solchen Anstalt, in eine öffentliche Schule zu gehen. Die anderen zeigten mit dem Finger auf uns: "Schaut mal, da sind die Waisenkinder." Wir schämten uns. In der Schule mochte ich Singen und Englisch. Ich haßte Rechnen; ich hatte einfach keinen Sinn dafür; während der Stunden schaute ich aus dem Fenster und träumte. Aber ich war gut in Gymnastik und Sport. Ich war sehr groß. Im Waisenhaus wollte man mir am ersten Tag nicht glauben, als ich sagte, wie als ich war: neun. Man schätzte mich auf vierzehn. Ich war schon so groß wie ich jetzt bin: 1,63 m. Aber ich war sehr mager, bis ich elf war, dann änderte sich das. Zu der Zeit war ich nicht mehr im Waisenhaus. Ich hatte mich bei meinem Vormund so sehr beklagt, dass sie mich da rausholte. Sie war eine alte Freundin meiner Mutter. Grace McKee. Sie ist vor elf Jahren gestorben. Damals, als sie mein Vormund war, war sie Chefcutterin bei der Columbia. Dann wurde sie entlassen und heiratete einen Mann, der zehn Jahre jünger war als sie und Vater von drei Kindern. Sie waren sehr arm und konnten sich deshalb nicht um mich kümmern. Außerdem glaube ich, hielt sie es für ihre vornehmliche Aufgabe, sich um ihren Mann und dessen Kinder zu kümmern, was ja normal ist. Trotzdem war sie wunderbar zu mir, in vielerlei Hinsicht. Ohne sie hätte ich mich weiß Gott wo wiedergefunden, vielleicht in einem staatlichen Waisenhaus bis ich achtzehn geworden wäre.
In meinem Waisenhaus, das ein privates war, kam sie mich immer mal wieder besuchen und ging mit mir aus. Nicht oft, aber immerhin... das gab mir Mut. Ich war erst neun oder zehn Jahre alt, und sie ließ mich mit ihrem Lippenstift spielen, nahm mich mit zum Friseur für eine Dauerwelle... eine unglaubliche Sache, einmal weil es verboten war, und dann weil ich ganz glatte Haare hatte. Sie können sich vorstellen, was das für mich bedeutete! Außerdem war sie es, die mich aus dem Waisenhaus geholt hat, nachdem ich mich so beklagt hatte, wie ich schon sagte. Natürlich bedeutete das neue "Familien". Ich erinnere mich an eine, wo ich drei oder vier Wochen geblieben bin - hauptsächlich auch deshalb, weil die Frau Waren ausfuhr, die ihr Mann herstellte. Sie nahm mich mit, und... oh... mir wurde im Auto so schlecht! Ich weiß nicht, ob sie Geld dafür bekamen, dass sie mich aufnahmen. Ich weiß nur, dass ich nach ihnen die Familien ständig gewechselt habe. Manche nahmen mich am Ende eines Schuljahres und hatten nach den Ferien genug. Oder vielleicht war so die Abmachung. Später nahm mich die Stadt Los Angeles unter ihre Obhut. Das war noch schlimmer, ich haßte es. Sogar im Waisenhaus, als ich zur Schule ging, versuchte ich immer, nicht wie eine Waise auszusehen. Aber jetzt kam eine Frau und sagte: "Wollen wir mal sehen... heb die Füße." und sie schrieb auf: "Ein Paar Schuhe" - dann: "Hat sie einen Pullover?" oder "Ich glaube, das arme Mädchen braucht zwei Kleider, eines für die Schule und eines für sonntags." Und die Pullis waren aus Baumwolle und häßlich, die Kleider schienen aus Sackleinen gemacht... Furchtbar! Und die Schuhe! Ich sagte:" Die will ich nicht!" Ich versuchte immer, Kleider von Erwachsenen zu bekommen, die man für mich abänderte. Und meistens trug ich Turnschuhe, die gab es für weniger als einen Dollar. Ich muss damals eine komische Figur abgegeben haben: sehr gross, wie ich schon sagte, und keine Kostverächterin - ich aß alles. Das weiß ich noch, weil alle meine Familien immer sagten sie hätten noch nie ein in dieser Hinsicht so unkompliziertes Kind gesehen.
Ich weiß auch, dass ich sehr still war, gegenüber Erwachsenen zumindest. Mann nannte mich "die Maus". Ich sprach wenig, außer wenn ich mit anderen Kindern zusammen war. Dann war ich nicht mehr dieselbe. Sie spielten gern mit mir, weil ich Phantasie hatte. Ich sagte: "Wir spielen Scheidung oder Verbrechen! Und sie schauten mich an: "Wie willst du das machen?" Ich war wahrscheinlich ziemlich anders als die anderen. Obwohl Kinder sich normalerweise weigern, schlafen zu gehen, murrte ich nie. Im Gegenteil, ich sagte von mir aus: "Ich glaube, ich gehe jetzt schlafen.". Ich liebte die Einsamkeit in meinem Zimmer, in meinem Bett. Vor allem liebte ich es, den letzten Film, den ich gesehen hatte, noch einmal durchzuspielen. Ich stand auf meinem Bett, größer den je, spielte alle Rollen, auch die männlichen, und erfand Dinge dazu. Es war herrlich, genauso wie bei den Schulaufführungen mitzuspielen. Da habe ich wegen meiner Größe einmal den König und einmal den Prinzen gespielt. Ich hatte damals eine glückliche Phase meiner Jugend, als ich nämlich bei einer Frau namens Ana Lower, bei "Tante" Ana gelebt habe. Sie war schon älter, sechzig oder fünfundsechzig, eine Verwandte von Grace McKee. Sie liebte mich sehr, und ich spürte das. Sie verstand mich. Sie hatte niemals vergessen, dass sie auch einmal jung war, und ihre wunderbaren Geschichten, ob sie traurig oder fröhlich waren, faszinierten mich. Wenn ich abends das Geschirr spülte, habe ich immer zum Küchenfenster hinausgesungen oder -gepfiffen, und sie sagte: "Wie ein Buchfink! So etwas habe ich noch nie gehört!" Es war am Ende dieser Phase, als man mich verheiratete. Es gibt nicht viel zu sagen über diese Ehe.
Grace McKee und ihr Ehemann sollten nach Virginia ziehen. In Los Angeles bekamen sie von der Stadtverwaltung zwanzig Dollar für mich und wäre ich mit ihnen gegangen, hätten sie dieses Geld verloren. Da sie nicht reich genug waren, um mich zu behalten, sie mich aber mochten, mußte ich irgendwie unter die Haube gebracht werden. In Kalifornien kann ein Mädchen schon mit sechzehn heiraten. Ich hatte also die Wahl: Entweder bis ich achtzehn war ins staatliche Waisenhaus oder heiraten. Ich war fast sechzehn und habe mich fürs Heiraten entschieden. Er hieß Dougherty, war einundzwanzig und arbeitete in einer Fabrik. Kurze Zeit später kam der Krieg. Er wurde erst als Sportlehrer eingezogen in Catalina, wo ich eine Zeitlang bei ihm blieb, dann sollte er zur kämpfenden Truppe, ging stattdessen aber zur Handelsmarine. Kurz vor Ende des Krieges fuhr ich nach Las Vegas und ließ mich scheiden. Ich war zwanzig. Er ist heute Polizeibeamter. Während des Krieges habe ich in einer Fabrik gearbeitet. Zuerst habe ich Fallschirme geprüft - die für Zielflugkörper, nicht für Menschen -, und dann kam ich in die "Giftkammer", wie man das nannte... ein Belag kam auf Teile, aus denen die Zielflugkörper gemacht wurden. Es war eine langweilige Arbeit, und auch menschlich war die Atmosphäre schlecht. Die Frauen sprachen hauptsächlich darüber, wie ihre Abende aussahen und das nächste Wochenende. Ich arbeitete ganz in der Näche der Spritzlackiererei... nur Männer. Sie schrieben mir kleine Briefe, unterbrachen ihre Arbeit usw... Die Arbeit war so monoton, dass ich mich beeilte, mit ihr fertig zu werden. Das Resultat war ein unerwartetes... man fand, ich würde hervorragende Leistungen zeigen. Bei einer Personalversammlung lobte mich der Direktor öffentlich für meine "exemplarisch gute Leistung" und verlieh mir eine Goldmedaille und einen Gutschein über 25 Dollar. Die anderen Mädchen waren wütend und neidisch und machten mir danach das Leben schwer. Sie ärgerten mich, wo sie nur konnten, stießen mich absichtlich an, wenn ich meinen Farbtopf nachfüllen ging, so dass ich alles verschüttete. Oh, was habe ich gelitten!
Und dann wollte die Luftwaffe eines Tages Photos von unserer Fabrik. Ich kam gerade aus einem Urlaub zurück, als man mich ins Büro rief:" Wo haben Sie sich versteckt?" Ich bin fast gestorben vor Angst und antwortete: "Ich hatte genehmigten Urlaub!" was stimmte. Man sagte mir: "Darum geht es nicht. Wollen Sie für Photos Modell stehen?" Kurzum, die Fotografen kamen und machten Photos. Sie wollten noch mehr machen, außerhalb der Werkstatt. Ich wollte keinen Ärger, weil ich die Arbeit versäumte, weigerte mich deshalb und sagte: "Fragen sie erst um Erlaubnis." Sie haben sie bekommen, und so stand ich mehrere Tage lang Modell, hier und dort, hielt Sachen in den Händen, schob sie, zog sie... Die Bilder wurden im Eastman- Kodak-Labor entwickelt, und da fragten die Leute, wer das Modell sei und einer der Fotografen, David Conover, kam zurück und sagte zu mir: "Sie sollten Photomodell werden. Sie würden leicht 5 Dollar die Stunde verdienen." Fünf Dollar die Stunde! Ich verdiente damals 20 Dollar in der Woche, bei zehn Stunden pro Tag und stand den ganzen Tag auf dem Zementboden! Grund genug, es zu versuchen. Ich habe mich da ganz langsam rangetastet. Der Krieg war zu Ende. Ich bin weg von der Fabrik und habe mich in einer Agentur vorgestellt. Sie haben mich genommen, für Werbephotos, Kalender... nicht der, der soviel Wind gemacht hat, darauf kommen wir noch. Andere, wo ich mal brünett, mal rot, mal blond war. Und ich habe tatsächlich 5 Dollar die Stunde verdient! Von Zeit zu Zeit konnte ich mir einen meiner Träume erfüllen: Schauspielunterricht nehmen... wenn das Geld reichte, denn der war teuer, zehn Dollar die Stunde! Ich lernte viele Leute kennen, ganz andere als bisher. Gute und schlechte. Oft, wenn ich an der Straßenecke auf den Bus wartete, hielt ein Auto, und der Mann am Steuer leierte seine Geschichte herunter: "Was machen Sie da? Sie sollten beim Film sein!" Dann schlug er mir vor, mich nach Hause zu fahren. Ich antwortete immer: "Nein Danke, ich nehme lieber den Bus." Aber trotzdem hatte ich den Gedanken ans Kino im Kopf. Einmal, erinnere ich mich, habe ich ein Angebot, mich in einem Filmstudio vorzustellen, von einem dieser Männer angenommen. Er mußte wohl sehr überzeugend gewesen sein, jedenfalls bin ich hingegangen. Es war ein Samstag, und auf dem Gelände war kein Mensch. Eigentlich hätte ich mißtrauisch werden müssen, aber ich war in vielerlei Hinsicht naiv. Der Mann führte mich also in ein Büro. Wir waren allein. Er hielt mir ein Drehbuch hin und meinte, es handle sich um eine Rolle aber man müßte erst sehen. Woraufhin er mich aufforderte, die Rolle zu lesen, und darauf bestand, dass ich mein Kleid hochhielt. Es war Sommer, und ich trug einen Badeanzug unter dem Kleid. Aber als er sagte: "Noch höher" bekam ich Angst, wurde rot und sagte zornig: "Nur wenn ich meinen Hut aufbehalten kann!" Das war natürlich idiotisch, aber ich hatte wirklich Angst und war verzweifelt. Ich muß eine lächerliche Figur abgegeben haben, wie ich da saß und mich an meinen Hut klammerte. Schließlich bekam er einen Wutanfall. Ich bin fürchterlich erschrocken, rannte davon und meldete den Vorfall der Agentur. Sie riefen in dem Studio und noch woanders an, um ihn zu finden, aber es gelang nicht.
Er muß dort einen Freund gehabt haben, der ihm sein Büro zur Verfügung gestellt hatte. Durch den Vorfall war ich so erschrocken, dass ich lange Zeit entschlossen war, niemals Schauspielerin zu werden. Es war eine harte Zeit in meinem Leben. Ich zog die ganze Zeit um, von einem Zimmer zum nächsten. Hotels waren zu teuer. Und dann wollte es der Zufall, dass ich gleichzeitig auf den Titelseiten von 5 Magazinen erschien, im selben Monat, und die Fox rief bei mir an. So fand ich mich auf einer Holzbank wieder mit Leuten jeden Alters, jeden Aussehens. Wir mussten lange warten, bis Ben Lyon, der die Vorstellungen leitete, aus seinem Büro kam. Kaum war er herausgekommen, zeigte er mit dem Finger auf mich: "Wer ist das?" Ich trug ein kurzes, weißes Pikeekleid, das Tante Ana - ich lebte damals bei ihr - noch schnell gewaschen und gebügelt hatte. Alles war so schnell gegangen, dass ich keine Zeit hatte, gleichzeitig mein Kleid und mich selbst zu richten, und Tante Ana sagte: "Ich kümmere mich um das Kleid, mach du dir die Haare und schmink dich." Nach dem langen Warten kam ich mir eher zerknautscht und unansehnlich vor. Aber Lyon war sehr nett. Er sagte zu mir, er fände mich so frisch, so jung usw... Er sagte sogar: "Sie sind die erste, die ich seit Jean Harlow entdecke." Jean Harlow, gerade sie! Meine Lieblingsschauspielerin von damals. Obwohl es eigentlich der Zustimmung des Direktors bedurft hätte, ließ Lyoan am nächsten Tag Probeaufnahmen in Technicolor von mir machen, und dann bekam ich von der Fox einen Vertrag. Für ein Jar! Ganz umsonst allerdings. Ich habe nie verstanden, warum. Sie engagierten eine Menge Mädchen und Jungen und ließen sie wieder fallen, ohne ihnen eine Chance gegeben zu haben. So war es auch bei mir. Nachdem sie mich rausgeschmissen hatten, versuchte ich, Herrn Zanuck zu sprechen. Das war aber unmöglich, jedes Mal bekam ich zur Antwort, er sei in Sun Valley. Woche um Woche versuchte ich es. Es tut uns leid, sagte man mir, er ist beschäftigt, er ist in Sun Valley. Ich stelle mir vor, da ist er heute noch... obwohl ich ihn wiedergesehen habe, als die Fox mich erneut unter Vertrag nahm, nach Asphalt Jungle. Er sagte zu mir: "Sie waren offensichtlich schon mal da, nicht?" ja stimmt. - Was wollen Sie, die Zeiten ändern sich." Und er erklärte mir, ich hätte das gewisse Etwas, eine dreidimensionale Qualität, die ihn an Jean Harlow erinnere. Was ich sehr interessant fand, da es die Ansicht von Ben Lyon war. Ich verdanke Ben Lyon viel. Er war der erste, der mir Vertrauen entgegenbrachte. Ich verdanke ihm auch meinen jetzigen Namen. Eines Tages suchten wir einen Künstlernamen für mich - ich wollte nicht den Namen eines Mannes behalten, der nicht mein Vater war - und ich bestand darauf, den Mädchennamen meiner Mutter anzunehmen: Monroe. Ich wollte wenigstens auf diese Weise eine Verbindung zu meinen Eltern bewahren. Er war mit Monroe einverstanden, und er war es, der auf Marilyn kam, weil, so sagte er, nach Jean Harlow es Marilyn Miller, der große Musical-Star vom Broadway sei, der ich am meisten ähnlich sehe. Komischer Zufall, wenn man bedenkt, dass ich jetzt fürs Standesamt Marilyn Miller geworden bin.
Aber um zu unserer Geschichte zurückzukommen: ich stand also vor dem Nichts: von der Fox entlassen, etwas später auch von der Columbia, wenn auch auf andere Weise. Die Columbia hatte mir wenigstens eine Rolle in Ladies of the Chorus gegeben. Ein schrecklicher Film! Ich spielte die Tochter einer Tänzerin, in die sich ein Typ aus Boston verliebt. Eine alberne Story und noch schlechter verfilmt. Ich ging bzw. wurde gegangen. Die Umstände waren eher seltsam, um nicht zu sagen unangenehm. Mehr gibt's darüber nicht zu sagen, außer vielleicht... das Leben ist voller Lektionen. Ich sah keinen Ausweg. Es war meine schlimmste Zeit. Ich wohnte im Hollywood Studio Club und war sehr unglücklich. Das ganze erinnerte mich ans Waisenhaus. Ich hatte Schulden und war im Rückstand mit meiner Miete. Im Club konnte man eine Woche überziehen, danach erhielt man einen kurzen Brief: "Sie sind die einzige, die nicht zur Unterstützung unserer wunderbaren Institution beiträgt" etc. Sie verstehen, solange man lebte, bekam man zweimal am Tag zu essen, Frühstück und Mittagessen, hatte ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Wo hätte ich sonst hingehen sollen? Keine Familie, nichts und niemand. Und ich hatte Hunger. Ich weiß, es gab damals viele, die sagten: "Warum suchst du dir nicht irgendwo einen Job als Verkäuferin" Ja, warum nicht? Einmal habe ich es versucht, in einem Drugstore. Aber da wollte man mich nicht, weil ich keinen Schulabschluss hatte. Und dann, wie sollte ich es sagen, es ist nicht dasselbe. Ich war Photomodell und wollte vor allem Schauspielerin werden, und ich hatte das Gefühl, dass, wenn ich zurückfiele, es kein Zürück mehr gäbe. Man hat viele Geschichten über den berühmten Kalender erzählt. Damals, als die Sache herauskam, hatte ich schon Asphalt Jungle gemacht und war wieder unter Vertrag bei der Fox, für sieben Jahre diesmal. Ich höre noch die Stimme des Mannes aus dem Werbebüro, der mich anrief: "Stimmt es, dass Sie für einen Kalender Modell gestanden haben?" Natürlich, sagte ich. Ist irgendwas nicht in Ordnung damit? Dann habe ich kapiert, wie sehr sie das aufgeschreckt hat, denn die Stimme sagte: "Also, selbst wenn es wahr ist, geben Sie es nicht zu." - Aber ich habe doch meine Einwilligung zum Verkauf gegeben. Ich finde, ich sollte es sagen. Sie taten ziemlich verzweifelt. Und dann kam noch der Kameramann, mit dem ich gerade arbeitete. Er hatte einen Kalender ergattert und fragte mich, ob ich ihn nicht signieren könnte. Und ich sagte: "ja - warum nicht", und schrieb meinen Namen drauf und "Für..." und meinte "also, meine beste Seite ist das nicht gerade." Natürlich wurden die vom Studio noch wütender. Wer mich gut kennt, weiß, dass ich schrecklich schlecht lügen kann. Das hat mich viel gekostet im Leben. Es kommt vor, dass ich Dinge absichtlich verschweige, um mich oder andere zu schützen - die vielleicht gar nicht geschützt werden wollen oder müssen? - aber ich lüge niemals. Ich hatte Hunger, war vier Wochen im Rückstand mit meiner Miete und brauchte dringend Geld. Das ist die Wahrheit. Mir fiel wieder ein, dass ich einmal dem Fotografen Tom Kelley und seiner Frau Nathalie für eine Bierreklame Modell gestanden hatte, und dass sie mir vorgeschlagen hatten, Nacktaufnahmen zu machen. Sie meinten, da sei nichts dabei und ich würde gut damit verdienen. 50 Dollar nämlich, die Summe, die ich brauchte. Und da die beiden immer sehr nett zu mir waren, habe ich sie angerufen. Ich sagte zu Tom: "Sind Sie sicher, dass man mich nicht erkennen wird?" Er hat es versprochen.
Aber es müßte in der Nacht geschehen, betonte ich, nachdem ihre Assistenten gegangen seien. Er müßte sich ganz allein mit Nathalie um die Beleuchtung kümmern. Er war einverstanden, und ich bin hin. Sie waren außerordentlich diskret und verständnisvoll, spürten, daß ich ganz verstört war. Sie breiteten roten Samt aus, und es ging ganz schnell, ganz einfach, und ich konnte meine Miete bezahlen und mir zu essen kaufen. Als mich aber die Journalisten fragten, warum ich es getan habe, da glaubten sie, es handle sich um ein Bonmot. Die Leute sind schon komisch, sie stellen einem Fragen, und wenn man offen ist, sind sie schockiert. Ich werde gefragt: "Was tragen Sie im Bett? Ein Pyjamaoberteil? Das Unterteil? Ein Nachthemd?" - Ich antworte: "Einen Tropfen Chanel No. 5", und man glaubt wieder, das sei ein Bonmot, obwohl ich nur versuche, taktvoll auf eine unverschämte und indiskrete Frage zu antworten. Außerdem stimmt es, aber man glaubt mir nicht. Ab einem gewissen Zeitpunkt war ich... sagen wir bekannt. Die Leute konnten sich nicht vorstellen, was ich machte, wenn ich nicht drehte, weil sie mich bei keiner Premiere sahen, bei keiner Pressevorstellung, keinem Empfang. Es ist ganz einfach: Ich ging zur Schule. Ich hatte nie meine Schule beenden können, und so ging ich in Los Angeles zur Uni. Abends. Tagsüber verdiente ich meinen Lebensunterhalt mit kleinen Filmrollen. Ich hörte Geschichte- und Literaturvorlesungen. Ich las viel, die großen Dichter. Ich entdeckte eine Menge Dinge. Es war sehr schwierig, rechtzeitig in die Vorlesungen zu kommen. Ich mußte mich beeilen. Um 6 Uhr 30 ging ich aus dem Studio, ich mußte immer früh aufstehen, damit ich um 9 Uhr fertig für die Aufnahme war. Oft war ich todmüde, manchmal schlief ich sogar im Hörsaal ein. Aber ich zwang mich, aufrecht sitzenzubleiben und zuzuhören. Mein Nachbar war ein junger Schwarzer, fleißig und sehr gescheit. Er war mein Vorbild, und das half mir auch, wach zu bleiben. Er war übrigens ein einfacher Postbeamter damals, heute ist er Postdirektor von Los Angeles. Die Dozentin, Frau Seay, wußte nicht, wer ich war, und fand es seltsam, dass die Jungen der anderen Klassen manchmal während der Stunden durchs Fenster schauten und flüsterten. Eines Tages beschloß sie, meine Klassenkameraden zu fragen und die sagten ihr: Sie spielt in Filmen. Überrascht erklärte sie: Und ich hielt sie für ein Mädchen, das frisch von der Klosterschule kommt! Das war eins der größten Komplimente, das man mir je gemacht hat. Aber die Leute, von denen ich gerade sprach, zogen es vor, in mir ein Starlet zu sehen, frivol, sexy und dumm. Ich habe den Ruf, immer zu spät zu kommen. Also "immer" schon mal nicht. Man erinnert sich eben nur daran, wenn ich mal zu spät gekommen bin. Außerdem glaube ich wirklich, daß ich einfach nicht so schnell bin wie die anderen. Sie springen ins Auto, fahren los, kommen nie zum Stillstand... Ich glaube nicht, daß wir dafür geschaffen sind, wie Maschinen zu leben. Außerdem ist das so nutzlos! Man arbeitet so viel besser mit ausgeruhtem Verstand und in Muße.
Wenn ich mich im Studio beeilen muss, um zu proben, mich frisieren, schmincken oder anziehen zu lassen, dann komme ich erschöpft am Drehort an. Als wir Let's Make Love drehten, hielt George Cukor, der Regisseur, es für sinnvoller, dass ich zwar verspätet, aber frisch kam. Bei allem, was ich mache, lasse ich mir gern Zeit. Man hetzt zuviel heutzutage. Darum sind die Leute so nervös und so unglücklich mit ihrem Leben und sich selbst. Wie kann man irgendwas perfekt machen unter solchen Umständen? Perfektion erfordert Zeit. Ich würde gerne eine große Schauspielerin werden, eine wirkliche, und so glücklich sein wie möglich. Aber wer ist schon glücklich? Ich glaube, es ist genauso schwer glücklich zu sein wie eine wirkliche Schauspielerin zu werden. Beides erfordert viel Anstrengung und Zeit.
(G.B) Ich nehme an, das Portrait der Duse da an der Wand hängt nicht zufällig dort?
(M.M) Nein. Ich empfinde eine große Zärtlichkeit für sie. Wegen ihres Lebens, als Frau und als Schauspielerin. Wie soll ich sagen... sie hat nie Zugeständnisse gemacht, weder im einen noch im anderen Fall. Persönlich habe ich, wenn es mir gelingt, in meinem Beruf etwas zu erreichen, ein Glücksgefühl. Aber das sind nur Momente. Ich bin nicht einfach glücklich, so ganz allgemein. Wenn ich etwas ganz allgemein bin, dann eher elend. Meine beiden Leben, das berufliche und das private, sind so persönlich, so eng miteinander verbunden, dass ich sie nicht trennen kann: das eine reagiert ständig aufs andere. Das Problem in meinem Fall, denke ich, ist dass ich so gerne wunderbar wäre. Ich weiß, dass das einige zum Lachen bringen wird, aber es stimmt. Einmal in New York wollte mein Anwalt mit mir über Geld sprechen, mit einer Engelsgeduld erklärte er mir alles. Am Ende sagte ich zu ihm: "Ich verstehe kein Wort und es ist mir auch egal. Ich will nur wunderbar sein." Sagen Sie das mal zu einem Juristen. Er wird sie für verrückt halten. Es gibt ein Buch von Rainer Maria Rilke, das mir sehr geholfen hat, Briefe an einen jungen Poeten, ohne dass ich vielleicht manchmal denken würde, ich sei verrückt. Wenn ein Künstler... entschuldigen Sie, aber ich denke, ich bin fast eine Künstlerin - auch das wird wahrscheinlich wieder einige zum Lachen bringen, deswegen entschuldige ich mich -, also wenn ein Künstler um jeden Preis die Wahrheit sucht, hat er manchmal das Gefühl, den Wahnsinn zu streifen. Aber es ist nicht wirklich Wahnsinn. Man bemüht sich nur, das Wahrste aus sich herauszuholen, und glauben Sie mir, das ist hart. Es gibt Tage, da sagt man sich: "Sei wahrhaftig, das allein zählt!" Aber es kommt nichts. Und an anderen Tagen ist es ganz einfach. Ich, Marilyn Monroe, habe immer insgeheim das Gefühl gehabt, nicht vollkommen "echt" zu sein, so etwas wie eine gut gemachte Fälschung. Ich glaube, jeder Mensch fühlt das von Zeit zu Zeit. Aber in meinem Fall geht das weit, manchmal so weit, dass ich denke, ich sei im Grunde nur ein Kunstprodukt. Lee Strasberg, der Leiter des Actors Studio, sagt mir oft: "Warum bist du so unzufrieden mit dir? Du bist doch immerhin ein menschliches Wesen!" Und ich antworte: "Ja, aber ich habe den Eindruck, ich muß mehr sein als das." Nein, sagt er dann, "du mußt bei dir selbst anfangen. Was tust du gerade?" - Ich muß ja wohl in die Rolle schlüpfen, oder nicht? Und er wiederholt: "Nein, du bist ein menschliches Wesen. Also geh von dir selbst aus! Als er mir das das erste Mal sagte, rief ich: "Von MIR?" Und er antwortete: "Ja! Von DIR!" Nach Arthur ist Lee wahrscheinlich derjenige, der mein Leben am meisten verändert hat. Deswegen gehe ich so gerne ins Actors Studio. Wenn ich in New York bin, gehe ich regelmäßig hin.
Als ich in der Fabrik gearbeitet habe, ging ich samstagabends immer ins Kino. Das war der einzige Moment, in dem ich mich entspannen konnte, lachen und ich selbst sein. Aber was für eine Enttäuschung, wenn der Film schlecht war! Die ganze Woche hatte ich darauf gewartet und hart gearbeitet, um mir das leisten zu können. Wenn ich den Eindruck hatte, die Schauspieler haben sich keine Mühe gegeben, bin ich enttäuscht aus dem Kino gegangen, so als ob ich betrogen worden wäre. Was würde mir die ganze Woche über bleiben? Darum denke ich heute, wenn ich arbeite, an diejenigen, die dafür arbeiten, ihr Geld an der Kinokasse zu lassen, in der Hoffnung, sich zu amüsieren. Was die Produzenten und Regisseure denken, ist mir ziemlich egal, aber nicht, was die Leute, die den Film sehen werden, denken. Ich habe einmal versucht, das Herrn Zanuck zu erklären... Die Liebe und die Arbeit sind die einzig wahren Dinge, die uns erreichen im Leben. Sie bilden ein Paar, sonst stimmt etwas nicht. Übrigens ist die Arbeit selbst eine Form von Liebe. In der Fabrik habe ich mich wie gesagt beeilt, um mit der Arbeit fertig zu werden, weil sie langweilig war. Aber ich erinnere mich, dass ich trotz allem Wert darauf legte, sie so genau und so perfekt wie möglich zu tun. Un wenn ich von der Liebe träumte, dann war es auch von einer Sache, die so perfekt wie möglich sein mußte. Als ich 1954 Joe DiMaggio geheiratet habe, spielte er schon nicht mehr Baseball, aber er war ein wunderbarer Sportler und ein Mensch von großer Sensibilität. Als Sohn italienischer Einwanderer hatte er eine schwierige Jugend. Darum verstanden wir uns ziemlich gut. Es war die Grundlage unserer Ehe. Aber ich sage "ziemlich gut". Deshalb ging es in die Brüche. Nach neun Monaten war es leider vorbei. Ich lege ebenso viel Wert auf meine Gefühle wie auf meine Arbeit. Das ist vielleicht der Grund, wehalb ich so hitzig und ausschließlich bin. Ich liebe die Menschen. Aber als Freunde liebe ich nur wenige. Und wenn ich liebe, werde ich so ausschließlich, dass ich nur noch einen einzigen Gedanken im Kopf habe. Vor allem will ich menschlich behandelt werden. Das erste Mal habe ich Arthur Miller in einem Filmstudio gesehen, ich weinte. Ich spielte in dem Film As Young As You Feel, und er kam gerade mit Elia Kazan vorbei. Ich weinte, weil ich eben erfahren hatte, dass eine Freundin gestorben war. Wir wurden einander vorgestellt. Ich sah alles wie in einem Nebel. Das war 1951. Danach habe ich ihn vier Jahre lang nicht gesehen. Wir haben uns geschrieben und er schickte mir eine Liste mit Büchern. Ich erinnere mich, dass ich dauernd dachte, er würde mich vielleicht in einem Film sehen... oft laufen zwei Filme am selben Abend, und vielleicht bin ich in einem, und vielleicht sieht er mich. Also gab ich mein Bestes, wenn ich arbeitete... Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll. Ich habe ihn vom ersten Tag an geliebt.
Ich werde nie vergessen, wie er damals gesagt hat, seiner Meinung nach sollte ich Theater spielen, und wie die Leute, die im Studio um uns herumstanden, gelacht haben, als sie das hörten. Aber er wiederholte: Nein, nein. Ich meine es ernst. Und sein Ton, sein Haltung, die Umstände ließen mich in ihm ein zustiefst menschliches und sensibles Wesen spüren, das auch mich wie ein menschliches und sensibles Wesen behandelte. Das ist das Beste, was ich sagen kann. Aber er ist das Wichtigste. Seit unserer Heirat führen wir, wenn ich nicht gerade in Hollywood drehe, ein ruhiges und glückliches Leben in New York, und mehr noch am Wochenende in unserem Haus in Connecticut. Mein Mann arbeitet gern früh morgens. Normalerweise steht er um sechs Uhr auf. Er erholt sich dann später am Tag mit einem Mittagschlaf. Da die Wohnung nicht groß ist, habe ich sein Büro schalldicht isolieren lassen. Er braucht totale Ruhe, wenn er arbeitet. Ich stehe so gegen halb neun auf. Wri haben eine ausgezeichnete Köchin. Manchmal gehe ich mit meinem Hund Hugo spazieren, bis das Frühstück fertig ist. Aber wenn die Köchin Ausgang hat, stehe ich früher auf und mache das Frühstück für meinen Mann. Ich finde, ein Mann sollte nicht selbst für sein Essen sorgen müssen. Ich bin in dieser Hinsicht sehr altmodisch. Ich finde auch, dass ein Man nichts tragen oder bei sich haben sollte, was reine Frauensache ist, keine hohen Absätze an den Schuhen oder Handtaschen usw. Manchmal verstecke ich einen Kamm bei meinem Mann in der Hosentasche, aber das ist auch alles, und man sieht es nicht. Nach dem Frühstück nehme ich ein Bad, damit die freien Tage sich von den Arbeitstagen unterscheiden, wo ich um sechs oder fünf Uhr morgens aufstehe, zweimal duschen muss, einmal warm und einmal kalt, um wach zu werden. In New York versinke ich gerne in meiner Badewanne, lese Zeitung und höre Musik. Danach ziehe ich mir einen Rock, Bluse, flache Schuhe und einen Trenchcoat über, dienstags und freitags gehe ich um elf Uhr ins Actors Studio, an den anderen Tagen zu Privatstunden von Lee Strasberg.
Zum Mittagessen, das wir gewöhnlich zusammen einnehmen, komme ich nach Hause, ebenso zum Abendessen. Wir hören Platten beim Essen. Wir lieben beide klassische Musik. Oder Jazz, wenn er gut ist, obwohl wir uns das eher für Abende aufsparen, wo wir Gäste haben und tanzen. Oft kehrt Arthur nach dem Mittagschlaf an die Arbeit zurück. Ich habe immer irgendwas zu tun während der Zeit. Er hat zwei Kinder aus seiner ersten Ehe, und ich gebe mir Mühe, eine gute Stiefmutter zu sein. Außerdem gibt es in der Wohnung viel zu tun. Ich koche gern, weniger in der Stadt, wo alles eng ist, aber am Wochenende auf dem Land. Ich mache sehr gutes Brot, und auch Nudeln, rollen, trocknen, kochen und die Sauce. Das sind meine beiden Spezialitäten. Aber ich erfinde auch gern Rezepte... ich liebe Gewürze! Knoblauch! Oft nehme ich viel zu viel für den Geschmack der anderen. Manchmal kommen die Schauspieler, mit denen ich für die Stunden bei Strasberg eine Szene einstudiere, zu uns nach Hause, morgens oder nachmittags, und dann mach ich ihnen ein Frühstück oder Tee... Sie sehen, meine Tage sind ziemlich ausgefüllt. Aber die Abende sind für meinen Mann reserviert. Es gibt keine vorgegebene Routine in unserem Leben. Es gibt zwar Momente, wo ich gern besser organisiert wäre, gern bestimmte Dinge zu bestimmten Zeiten täte usw. Aber mein Mann sagt, dass wir uns so wenigstens nicht langweilen. Es ist also alles gut. Mich persönlich langweilen Dinge nie. Was mich langweilt sind Menschen, die sich langweilen. Ich liebe die Menschen, aber machmal frage ich mich, ob ich wirklich gesellig bin. Einsamkeit fällt mir nicht schwer, es macht mir nichts aus, allein zu sein. Ich mag es sogar, es ist erholsam. Es gestattet einem, sich selbst in Besitz zu nehmen, sich sozusagen aufzufrischen. Ich glaube, in jedem Menschen stecken diese zwei Seiten - jedenfalls trifft es auf mich zu: man ist gern allein und auch gern mit Leuten zusammen. Auf der einen Seite bin ich fröhlich, auf der anderen traurig. Das ist ein wirklicher Konflikt. Ich reagiere hypersensibel darauf. Deshalb liebe ich meine Arbeit so. Wenn ich damit zufrieden bin, fühle ich mich natürlich besser und geselliger, wenn nicht, bin ich gern allein. Und in meinem Leben ist es genauso...
(G.B) Wenn ich Sie frage, wie es ist, Marilyn Monroe zu sein, im jetzigen Stadium Ihres Lebens, was würden Sie zusammenfassend sagen?
(M.M) Wie ist es für Sie, Sie selbst zu sein?
(G.B) Manchmal bin ich mir mir und der Welt zufrieden, manchmal nicht
(M.M) So geht's mir auch. Und sind Sie glücklich dabei?
(G.B) Ich glaube ja.
(M.M) Nun ja, ich auch. Und da ich erst vierunddreißig bin und noch einige Jahre vor mir habe, hoffe ich, noch
Zeit zu haben, besser und glücklicher sowohl in meinem Beruf als in meinem Privatleben zu werden. Das ist mein einziger
Ehrgeiz. Vielleicht brauche ich lange dazu, weil ich langsam bin, was wahrscheinlich nicht die sicherste Methode ist.
Aber es ist die einzige, die ich kenne und die mir das Gefühl gibt, dass das Leben trotz allem nicht ohne Hoffnung ist.
Marilyn Monroe Pours Her Heart Out Sometimes wearing a scarf and a polo coat and no make up and with a certain attitude of walking, I go shopping or just looking at people living. But then you know, there will be a few teenagers who are kind of sharp and they'll say, "Hey, just a minute. You know who I think that is?" And they'll start tailing me. And I don't mind. I realize some people want to see if you're real. The teenagers, the little kids, their faces light up. They say, "Gee," and they can't wait to tell their friends. And old people come up and say, "Wait till I tell my wife." You've changed their whole day. In the morning, the garbage men that go by 57th Street when I come out the door say, "Marilyn, hi! How do you feel this morning?" To me, it's an honor, and I love them for it. The working men, I'll go by and they'll whistle. At first they whistle because they think, oh, it's a girl. She's got blond hair and she's not out of shape, and then they say, "Gosh, it's Marilyn Monroe!" And that has it's, you know, those are times it's nice. People knowing who you are and all of that, and feeling that you've meant something to them. I don't know quite why, but somehow I feel they know that I mean what I do, both when I'm acting on the screen or when if I see them in person and greet them. That I really always do mean hello, and how are you? In their fantasies they feel "Gee, it can happen to me!" But when you're famous you kind of run into human nature in a raw kind of way. It stirs up envy, fame does. People you run into feel that, well, who is she who does she think she is, Marilyn Monroe? They feel fame gives them some kind of privilege to walk up to you and say anything to you, you know, of any kind of nature and it won't hurt your feelings. Like it's happening to your clothing. One time here I am looking for a home to buy and I stopped at this place. A man came out and was very pleasant and cheerful, and said, "Oh, just a moment, I want my wife to meet you." Well, she came out and said, "Will you please get off the premises?" You're always running into peoples' unconscious. Let's take some actors or directors. Usually they don't say it to me, they say it to the newspapers because that's a bigger play.
You know, if they're only insulting me to my face that doesn't make a big enough play because all I have to say is, "See you around, like never." But if it's in the newspapers, it's coast to coast and all around the world. I don't understand why people aren't a little more generous with each other. I don't like to say this, but I'm afraid there is alot of envy in this business. The only thing I can do is stop and think, "I'm all right but I'm not so sure about them!" For instance, you've read there was some actor that once said that kissing me was like kissing Hitler. Well, I think that's his problem. If I have to do intimate love scenes with somebody who really has these kinds of feelings toward me, then my fantasy can come into play. In other words, out with him, in with my fantasy. He was never there. But one thing about fame is the bigger the people are, the simpler they are, and the more they are not awed by you! They don't feel they have to be offensive, they don't feel they have to insult you. You can meet Carl Sandburg and he is so pleased to meet you. He wants to know about you, and you want to know about him. Not in any way has he ever let me down. Or else you can meet working people who want to know what it is like. You try to explain to them. I don't like to disillusion them and tell them it's sometimes nearly impossible. They kind of look toward you for something that's away from their everyday life. I guess you call that entertainment, a world to escape into, a fantasy. Sometimes it makes you a little bit sad because you'd like to meet somebody kind of on face value. It's nice to be included in peoples' fantasies but you also like to be accepted for your own sake. I don't look at myself as a commodity, but I'm sure alot of people have. Including, well, one corporation in particular which shall be nameless. If I'm sounding picked on or something, I think I am. I'll think I have a few wonderful friends and all of a sudden, ooh, here it comes. They do alot of things. They talk about you to the press, to their friends, tell stories, and you know, it's disappointing. These are the ones you aren't interested in seeing everyday of your life. Of course, it does depend on the people, but sometimes I'm invited places to kind of brighten up a dinner table like a musician who'll play the piano after dinner, and I know you're not really invited for yourself. You're just an ornament. When I was 5 I think, that's when I started wanting to be an actress. I loved to play. I didn't like the world around me because it was kind of grim, but I loved to play house. It was like you could make your own boundaries. It goes beyond house, you could make your own situations and you could pretend, and even if the other kids were a little slow on the imagining part you could say, "Hey, what about if you were such and such, and I were such and such wouldn't that be fun?" And they'd say, "Oh, yes," and then I'd say, "Well, that will be a horse and this will be..."it was play, playfulness. When I heard that this was acting, I said that's what I want to be. You can play. But then you grow up and find out about playing, that they make playing very difficult for you. Some of my foster families used to send me to the movies to get me out of the house and there I'd sit all day and way into the night. Up in front, there with the screen so big, a little kid all alone, and I loved it. I loved anything that moved up there and I didn't miss anything that happened and there was no popcorn either.
When I was 11, the whole world which was closed to me. I just felt I was on the outside of the world. Suddenly, everything opened up. Even the girls paid a little attention to me because they thought, "Hmmm, she's to be dealt with!" And I had this long walk to school 2 1/2 miles to school, 2 1/2 miles back. It was just sheer pleasure. Every fellow honked his horn you know, workers driving to work, waving, you know, and I'd wave back. The world became friendly. All the newspaper boys when they delivered the paper would come around to where I lived, and I used to hang from the limb of a tree, and I had sort of a sweatshirt on. I didn't realize the value of a sweatshirt in those days, and then I was sort of beginning to catch on, but I didn't quite get it, because I couldn't really afford sweaters. But here they come with their bicycles, you know, and I'd get these free papers and the family liked that, and they'd all pull their bicycles up around the tree and then I'd be hanging, looking kind of like a monkey, I guess. I was a little shy to come down. I did get down to the curb, kinda kicking the curb and kicking the leaves and talking, but mostly listening. And sometimes the family used to worry because I used to laugh so loud and so gay; I guess they felt it was hysterical. It was just this sudden freedom because I would ask the boys. "Can I ride your bike now?" and they'd say, "Sure." Then I'd go zooming, laughing in the wind, riding down the block, laughing, and they'd all stand around and wait till I came back, but I loved the wind. It caressed me. But it was kind of a double-edged thing. I did find too, when the world opened up that people took alot for granted, like not only could they be friendly, but they could suddenly get overly friendly and expect an awful lot for very little. When I was older, I used to go to Grauman's Chinese Theater and try to fit my foot in the prints in the cement there. And I'd say, "Oh, oh, my foot's too big! I guess that's out." I did have a funny feeling later when I finally put my foot down into that wet cement. I sure knew what it really meant to me. Anything's possible, almost. It was the creative part that kept me going, trying to be an actress. I enjoy acting when you really hit it right. And I guess I've always had too much fantasy to be only a housewife. Well, also, I had to eat. I was never kept, to be blunt about it. I always kept myself. I have always had a pride in the fact that I was my own. And Los Angeles was my home, too, so when they said, "Go home!" I said, "I am home." The time I sort of began to think I was famous, I was driving somebody to the airport, and as I came back there was this movie house and I saw my name in lights. I pulled the car up at a distance down the street, it was too much to take up close, you know, all of a sudden. And I said, "God, somebody's made a mistake." But there it was, in lights. And I sat there and said, "So that's the way it looks," and it was all very strange to me, and yet at the studio they had said, "Remember you're not a star." Yet there it is up in lights. I really got the idea I must be a star, or something from the newspapermen, I'm saying men, not the women who would interview me and they would be warm and friendly.
By the way, that part of the press, you know, the men of the press, unless they have their own personal quirks against me, they were always very warm and friendly and they'd say, "You know, you're the only star," and I'd say, "Star?" and they'd look at me as if I were nuts. I think they, in their own kind of way, made me realize I was famous. I remember when I got the part in Gentlemen Prefer Blondes. Jane Russell, she was the brunette in it and I was the blonde. She got $200,000 for it, and I got my $500 a week, but that to me was, you know, considerable. She by the way, was quite wonderful to me. The only thing was I couldn't get a dressing room. I said, finally, I really got to this kind of level, I said, "Look, after all, I am the blonde, and it is Gentlemen Prefer Blondes!" Because still they always kept saying, "Remember, you're not a star." I said, "Well, whatever I am, I am the blonde!" And I want to say the people, if I am a star, the people made me a star. No studio, no person, but the people did. There was a reaction that came to the studio, the fan mail, or when I went to a premiere, or the exhibitors wanted to meet me. I didn't know why. When they all rushed toward me I looked behind me to see who was there and I said, "My heavens!" I was scared to death. I used to get the feeling, and sometimes I still get it, that sometimes I was fooling somebody. I don't know who or what, maybe myself. I've always felt toward the slightest scene, even if all I had to do in a scene was just to come in and say, "Hi," that the people ought to get their money's worth and that this is an obligation of mine, to give them the best you can get from me. I do have feelings some days when there are scenes with alot of responsibility toward the meaning, and I'll wish, "Gee, if only I had been a cleaning woman." On the way to the studio I would see somebody cleaning and I'd say, "That's what I'd like to be. That's my ambition in life." But I think that all actors go through this. We not only want to be good, we have to be. You know, when they talk about nervousness, my teacher, Lee Strasberg, when I said to him, "I don't know what's wrong with me but I'm a little nervous," he said, "When you're not, give up, because nervousness indicates sensitivity." Also, a struggle with shyness is in every actor more than anyone can imagine. There is a censor inside us that says to what degree do we let go, like a child playing. I guess people think we just go out there, and you know, that's all we do. Just do it. But it's a real struggle. I'm one of the world's most self conscious people. I really have to struggle. An actor is not a machine, no matter how much they want to say you are. Creativity has got to start with humanity and when you're a human being, you feel, you suffer. You're gay, you're sick, you're nervous or whatever.
Like any creative human being, I would like a bit more control so that it would be a little easier for me when the director says, "One tear, right now," that one tear would pop out. But once there came two tears because I thought, "How dare he?" Goethe said, "Talent is developed in privacy," you know? And it's really true. There is a need for aloneness which I don't think most people realize for an actor. It's almost having certain kinds of secrets for yourself that you'll let the whole world in on only for a moment, when you're acting. But everybody is always tugging at you. They'd all like sort of a chunk of you. They kind of like to take pieces out of you. I don't think they realize it, but it's like "rrr do this, rrr do that." But you do want to stay intact. Intact and on two feet. I think that when you are famous every weakness is exaggerated. This industry should behave like a mother whose child has just run out in front of a car. But instead of clasping the child to them, they start punishing the child. Like you don't dare get a cold. How dare you get a cold! I mean, the executives can get colds and stay home forever and phone it in, but how dare you, the actor, get a cold or a virus. You know, no one feels worse than the one who's sick. I sometimes wish, gee, I wish they had to act a comedy with a temperature and a virus infection. I am not an actress who appears at a studio just for the purpose of discipline. This doesn't have anything at all to do with art. I myself would like to become more disciplined within my work. But I'm there to give a performance and not to be disciplined by a studio! After all, I'm not in a military school. This is supposed to be an art form, not just a manufacturing establishment. The sensitivity that helps me to act, you see, also makes me react. An actor is supposed to be a sensitive instrument. Isaac Stern takes good care of his violin. What if everybody jumped on his violin? If you've noticed in Hollywood where millions and billions of dollars have been made, there aren't really any kind of monuments or museums, and I don't call putting your footprint in Grauman's Chinese a monument, all right this did mean a lot, sentimentally at the time. Gee, nobody left anything behind, they took it, they grabbed it and they ran, the ones who made the billions of dollars, never the workers. You know alot of people have, oh gee, real quirky problems that they wouldn't dare have anyone know. But one of my problems happens to show, I'm late. I guess people think that why I'm late is some kind of arrogance and I think it is opposite of arrogance. I also feel that I'm not in this big American rush, you know, you got to go and you got to go fast but for no good reason. The main thing is, I want to be prepared when I get there to give a good performance or whatever to the best of my ability. A lot of people can be there on time and do nothing, which I have seen them do, and you know, all sit around and sort of chit chatting and talking trivia about their social life. Gable said about me, "When she's there, she's there. All of her is there! She's there to work." I was honored when they asked me to appear at the President's birthday rally in Madison Square Garden. There was like a hush over the whole place when I came on to sing Happy Birthday, like if I had been wearing a slip I would have thought it was showing, or something. I thought, "Oh, my gosh, what if no sound comes out!" A hush like that from the people warms me. It's sort of like an embrace. Then you think, by God, I'll sing this song if it's the last thing I ever do. And for all the people. Because I remember when I turned to the microphone I looked all the way up and back, and I thought, "That's where I'd be, way up there under one of those rafters, close to the ceiling, after I paid my $2 to come into the place." Afterwards they had some sort of reception. I was with my former father-in-law, Isadore Miller, so I think I did something wrong when I met the President. Instead of saying, "How do you do?" I just said, "This is my former father-in-law, Isadore Miller." He came here an immigrant and I thought this would be one of the biggest things in his life, he's about 75 or 80 years old and I thought this would be something that he would be telling his grandchildren about and all that. I should have said, "How do you do, Mr.President," but I had already done the singing, so well you know. I guess nobody noticed it. Fame has a special burden, which I might as well state here and now.
I don't mind being burdened with being glamorous and sexual. But what goes with it can be a burden. Like
the man was going to show me around but the woman said, "Off the premises." I feel that beauty and femininity
are ageless and can't be contrived, and glamour, although the manufacturers won't like this, cannot be
manufactured. Not real glamour, it's based on femininity. I think that sexuality is only attractive when it's
natural and spontaneous. This is where alot of them miss the boat. And then something I'd just like to spout
off on. We are all born sexual creatures, thank God, but it's a pity so many people despise and crush this
natural gift. Art, real art, comes from it, everything. I never quite understood it, this sex symbol.
I always thought symbols were those things you clash together! That's the trouble, a sex symbol becomes a thing.
I just hate to be a thing. But if I'm going to be a symbol of something I'd rather have it sex than some other
things they've got symbols of! These girls who try to be me, I guess the studios put them up to it, or they
get the ideas themselves. But gee, they haven't got it. You can make alot of gags about it like they haven't
got the foreground or else they haven't the background. But I mean the middle, where you live. All my stepchildren
carried the burden of my fame. Sometimes they would read terrible things about me and I'd worry about whether
it would hurt them. I would tell them, don't hide these things from me. I'd rather you ask me these things
straight out and I'll answer all your questions. Don't be afraid to ask anything. After all, I have come up
from way down. I wanted them to know of life other than their own. I used to tell them, for instance, that I
worked for 5 cents a month and I washed one hundred dishes, and my step kids would say, "One hundred dishes!"
and I said, "Not only that, I scraped and cleaned them before I washed them. I washed them and rinsed them and
put them in the draining place, but I said, "Thank God I didn't have to dry them." Kids are different from
grown ups. You know when you get grown up you can get kind of sour, I mean that's the way it can go, but kid's
accept you the way you are. Fame to me certainly is only a temporary and a partial happiness, even for a waif
and I was brought up a waif. But fame is not really for a daily diet, that's not what fulfills you. It warms
you a bit but the warming is temporary. It's like caviar, you know, it's good to have caviar but not when you
have it every meal every day. I was never used to being happy, so that wasn't something I ever took for granted.
I did sort of think, you know, marriage did that. You see, I was brought up differently from the average American
child because the average child is brought up expecting to be happy. That's it, successful, happy, and on time.
Yet because of fame I was able to meet and marry two of the nicest men I'd ever met up to that time. I don't
think people will turn against me, at least not by themselves. I like people. The "public" scares me but people
I trust. Maybe they can be impressed by the press or when a studio starts sending out all kinds of stories. But
I think when people go to see a movie, they judge for themselves. We human beings are strange creatures and
still reserve the right to think for ourselves. Once I was supposed to be finished, that was the end of me.
When Mr. Miller was on trial for contempt of Congress, a certain corporation executive said either he named
names and I got him to name names, or I was finished. I said, "I'm proud of my husband's position and I stand
behind him all the way," and the court did too. "Finished," they said. "You'll never be heard of." It might be
a kind of relief to be finished. It's sort of like, I don't know, what kind of a yard dash you're running, but
then you're at the finish line and you sort of see you've made it! But you never have. You have to start all
over again. But I believe you're always as good as your potential. I now live in my work and in a few
relationships with the few people I can really count on. Fame will go by and, so long, I've had you fame.
If it goes by, I've always known it was fickle. So at least it's something I experienced, but that's not
where I live. Marilyn Monroe, 1962