Marilyn oder besser Norma Jeane gehört, obwohl ich zu ihren Lebzeiten noch
gar nicht geboren war und sie bereits seit mehr als vier Jahrzehnten tot
ist, schon fast irgendwie mit zu meinem Leben. Ich weiß gar nicht mehr,
wann ich mich entschlossen habe, ihr diese Site zu widmen. Einer Frau,
die von so vielen Menschen missverstanden und in eine falsche Schublade
gesteckt wurde. Man muss sich nur lange genug mit den Menschen
beschäftigen, und ehrliches Interesse zeigen, um eine Person
verstehen zu können, die man selber gar nicht kennengelernt hat.
Natürlich kann sie auch ganz anders gewesen sein. Gut möglich... sie war ja auch im Sternzeichen des Zwillings geboren, so wie ich. Und ein Zwilling kann einen Zwilling gut verstehen! Und sie wollte die Dinge verstehen, was einfach zeigt, dass sie menschlich Tiefe hatte und nicht oberflächlich war. Sie wollte ihr schauspielerisches Können weiterentwickeln, um eine große und echte Schauspielerin zu werden oder zu sein - nur, das war sie ja schon - aber sie wusste es nicht.
Die meisten meinen, ihr früher Tod machte sie unsterblich und nur deshalb würde sich heute noch jeder an sie erinnern, und Personen wie Elvis, James Dean oder River Phoenix und wie sie alle heißen, hätten sich eingereiht in die Kette derer, die jung und plötzlich aus dem Leben gerissen wurden. Aber sie alle haben ja auch zu Lebzeiten viel geleistet - und jeder ist auf seine Art seiner Leidenschaft oder seinem Laster zum Opfer gefallen; ob nun Autos, Drogen oder Einsamkeit. Und was steckt hinter unsterblich? Unsterblich ist für mich das, wie und was jemand war und was die Person hinterlassen hat und nicht das, wer oder was sie hätte sein können!
Viele Menschen verstehen diese Dinge aber bis heute nicht und machen (nach ihrem Tod) sogar noch dickere Geschäfte mit ihrem Namen, als zu Lebzeiten; selbstverständlich alles in ihrem Sinne... und vergessen einfach, das Geld ihr gar nichts bedeutet hat! Und wenn sie das verstanden hätten, sich einfach mal die Mühe gemacht hätten, dann wüssten sie, wovon ich spreche.
Was ist jetzt (für mich) so faszinierend an dieser Frau? Das Ehrliche. Die Natürlichkeit. Die Traurigkeit. Der Humor. Das Starke. Der Wille. Die feminine Art. Die Dame. Das Mädchen... wer das selber nicht hat, kann nur den Moment covern - und sie covern, was das Zeug hergibt - gerade in der Unterhaltungsbranche. Aber warum? Weil so vieles dort nicht echt ist... wo trifft man heute noch eine natürliche Person in Hollywood? Dort, wo man keine Altersgrenze mehr beim Botox kennt, Frauen ihren gesamten Körper umbauen lassen, sich damit selber verleugnen und sich fragen, warum sie sich verlieren und sich wundern, warum sie -trotz des ganzen Geldes- nicht sie selbst sind und finden, was sie suchen oder brauchen.
Und dann war da Marilyn, die in einer Zeit lebte, als es all diese Dinge vielleicht auch schon gab, oder wo manche Dinge erst am Anfang des Übels waren, wo auch vieles nicht echt war - und auch sie war von Natur aus nicht platinblond - und auch sie hatte Probleme mit Drogen, aber Marilyn in ihrem Inneren war echt! Und es waren und sind ihre vielen unterschiedlichen Facetten, die sie hatte und selbst auf Bildern ist das zu erkennen. Sie hatte die Gabe, dass man, wenn man sich Bilder von ihr anschaut, oft irgendwas fühlt. Wenn ich mir z.B. die Bilder von Bert Stern anschaue, sind viele zwar fröhlich nach außen, aber der Blick ist manchmal auch leer, ohne Glanz und ganz woanders. Ich bin mir aber sicher, dass dies nicht mit ihrem Inneren, mit Norma Jeane, sondern mit dem Image Marilyn Monroe zu tun hatte. Sie wollte Norma Jeane sein und Marilyn Monroe heißen und nicht Marilyn Monroe sein und Marilyn Monroe heißen.
Und weil man Schauspieler oft an ihren Rollen festnagelt, ist ein Image-Wechsel nicht einfach aber dennoch möglich. Man denke da an Romy Schneider, die sich ihres Sissi-Images entledigte und in Frankreich viele tolle und gute Rollen gespielt hat. Letztendlich ist auch sie früh gestorben, aber das hatte nichts mit der Filmerei zu tun.
Und Marilyn wollte sich lösen und das hinter sich lassen. Und weil sie nicht mehr hinter dem Blondinen-Image stand, konnte sie es auch nicht mehr hundertprozentig rüberbringen. Und eine Schauspielerin ist nunmal nur so gut, als dass sie alles das, was sie darstellen soll, in diesem Moment(!) auch darstellen kann; das zeichnet einen Schauspieler ja gerade aus. Es hat aber nichts damit zu tun, dass man seine Rollen auch ein Leben lang leben muss oder eine Rolle nur dann besser spielen kann, wenn man den Part, den man spielen und verkörpern soll, auch selber vorher erlebt hat.
Ich glaube, dass 1962, ihr letztes Lebensjahr, ein Neuanfang für sie gewesen war, gerade zum Ende hin. Sie wollte viel ändern; kam aber nicht mehr dazu. Aber ein wenig kann man erkennen und erahnen... sie wollte sich von der Twentieth Century Fox und dem Image endgültig befreien, sie wollte es seit 1954 nicht mehr, und nur ihr (unglücklicher) 7-Jahresvertrag bei der Fox hielt sie davon ab. Sie wollte diesen letzten Film machen, um danach in eine ganz andere Richtung zu gehen und zwar eine Richtung, die niemand in Hollywood ihr zugetraut hätte und zutrauen wollte. Wenn sie das gemacht hätte, wäre sie, da bin ich mir sicher, von der Presse erstmal zerrissen worden.
Aber sie hatte ja schon so viel geschafft. Als sie nämlich mit Milton H. Greene ihre eigene Produktionsfirma gründete, was ein mutiger Schritt für eine Frau in den 50er Jahren war. Und Frauen wie Marilyn oder Marlene Dietrich, die mit eine der Ersten war, die es überhaupt wagte, in der Öffentlichkeit mit Hose bzw. Anzug durch die Gegend zu laufen, haben viel erreicht.
Und was sie machen wollte, zog sie durch, und auch eine Suspendierung der Fox konnte sie nicht aufhalten - und die Fox wusste das. Jedesmal, wenn sie der Fox den Rücken kehrte, war es die Fox, die sie mit Vertragsverbesserungen zurückholte; dabei ging es ihr ja nie ums Geld, das ist ja gerade das, was keiner in dieser Branche verstand; es ging nämlich für alle anderen immer darum - aber nicht für sie. Und das war der Unterschied - das Ehrliche! Sie interessierte sich überhaupt nicht dafür, was für einen Status eine Person hatte. Sie machte keine Unterschiede. Und das in einer Zeit, die wir heute als die "prüden amerikanischen 50er Jahre" bezeichnen. Das eine Frau mit solchen Ansichten missverstanden wurde, kann ich gut nachvollziehen. Ella Fitzgeralds Worte passen wie die Faust aufs Auge: "Marilyn war eine ungewöhnliche Frau, ein bißchen ihrer Zeit voraus. Und sie wusste es nicht."
Zurück zu den 60ern. Sie war auch Anfang dieser Jahre noch eine Filmgröße, geehrt und verehrt mit Filmpreisen, und doch lebte sie in einem für Stars verhältnismäßigen schlichten und einfachen Haus. Aber ihr war der Garten wichtiger, als eine große Einfahrt. Und sie fuhr nach Mexico, um es nach ihrem Geschmack einzurichten. Und nur weil viele Möbel noch gar nicht eingetroffen waren, kam das Haus den Menschen zum Zeitpunkt ihres Todes leer vor.
Es gibt aber auch Bilder, da hat sie dieses Leuchten; nicht nur in den Augen. Da strahlt sie einfach was aus - viele nennen das vielleicht Aura. Auf den Bildern von Ed Feingersh in New York sieht man es, weil da nicht "Hollywood auf ihr lastete" und sie sich in dieser Zeit um sich kümmerte; auf den Bildern von Sam Shaw und gerade auf denen mit Arthur Miller ist viel zu erkennen. Ich habe viele ihrer Briefe gelesen, die sie und Miller sich geschrieben haben. Weiß nicht mehr, woher ich sie habe, aber sie sind wunderschön - und wenn man sie liest, versteht man sofort, was sie verbunden hat.
Und trotzdem schrieb die Presse immer Artikel wie " die Schöne und der Intellektuelle " oder " blond gegen schlau " - man kann es ihnen eigentlich gar nicht übel nehmen - sie wussten es halt nicht besser. Und die Wahrheit interessiert viele eh nicht, weil sie einfach nicht spannend und aufregend genug ist. Und wenn man an die McCathy-Zeit Anfang/Mitte der 50er Jahre denkt, und Miller 1956 vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses aussagen sollte, weil man ihm vorwarf, Mitglied der kommunistischen Partei zu sein, da stand sie ihm bedingungslos zur Seite. Es hätte auch ihre Karriere beenden können und sie wusste das.
Und das FBI hatte Marilyn nicht erst seit dieser Zeit unter die Lupe genommen. Wer sich die Dokumente vom FBI durchgelesen hat, wird feststellen, dass es manchmal nichts genützt hat, die Hälfte der Aussagen zu schwärzen. Das FBI wusste ganz genau, wer bei Marilyn ein und ausging. Und ich bin der Meinung, das ihr Haus in Brentwood bei ihrem Einzug bereits verwanzt war. Ich weiß nur nicht, ob sie es wusste oder später rausgefunden hat. Zum Thema Abhören und Verwanzen gab es auf "arte" mal eine interessante Dokumentation - "Die Geschichte der CIA" - in drei Teilen. In dieser Doku, die glaube ich aus den 90er Jahren ist, wurde viel über das Thema "Abhören in den 50er/60er Jahren" gesagt.
Und doch war es ihr ex-Mann Joe DiMaggio, auf den sie sich in schwierigen Zeiten verlassen konnte, ob nun aus Freundschaft oder Liebe, er war für sie da - bis zuletzt und über den Tod hinaus. Miller hat ja recht schnell nach der Trennung von Marilyn Inge Morath geheiratet und ist auch nicht bei der Beerdigung dabeigewesen. DiMaggio richtete ihre Trauerfeier aus und ließ ihr über 20 Jahre lang Blumen ans Grab liefern und ich rechne es ihm hoch an, dass er nie ein Wort (ob nun gut oder schlecht) über sie verloren und seine Erinnerungen nicht für Geld preisgegeben und/oder für ein Buch oder eine Dokumentation vermarket hat. Mehr geht nicht...
Wie auch immer, ich hoffe, dass ich mit dieser Site wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen konnte, Euch die Person Norma Jeane näherzubringen und ihr versteht, das Marilyn Monroe's Image nur ein Image war, dass sie selbst nicht mal mehr wollte - zumindest nicht so! Und wenn man drüber nachdenkt, steht zwar auf der Krypta "Marilyn Monroe" aber eigentlich hätte da nur "Ich" stehen müssen. Es hätte nichts über Norma Jeane und Marilyn Monroe verraten - und doch alles gesagt. Und damit bin ich wieder am Anfang... dieser Seite, weil " Wenn ich nicht ich selbst sein kann, wer kann ich dann sein...? "
In diesem Sinne... wünsch ich Euch alles Liebe,